Kurz beantwortet: Eine unabhängige Energieberatung zeigt Ihnen, wo Ihr Haus Energie verliert, welche Maßnahmen sich lohnen und in welcher Reihenfolge Sie sanieren sollten. In vielen Bundesländern gibt es geförderte oder kostenlose Erstberatungen durch Landesenergieberatungen. Eine Thermografie – eine Wärmebildaufnahme an einem kalten Tag – macht Wärmebrücken und undichte Stellen sichtbar. Ein Blower-Door-Test misst die Luftdichtheit. Mit diesen Grundlagen vergleichen Sie Angebote gezielter und erfüllen oft auch Voraussetzungen für Förderungen.

Dieser Ratgeber erklärt, was eine Energieberatung leistet, wann sich eine Thermografie lohnt und wie Sie sich vorbereiten. Stand 11/2026, allgemeine Information.
Was eine Energieberatung leistet
Eine gute Energieberatung beginnt mit einer Begehung des Hauses und einem Gespräch über Ihre Pläne. Die Beraterin oder der Berater sieht sich Dach, Fassade, Fenster, Keller und Heizung an, wertet Verbrauchsdaten aus und erklärt, welche Maßnahmen welchen Effekt haben. Am Ende steht meist ein schriftlicher Bericht mit Empfehlungen und einer Reihenfolge. Daraus lässt sich ein Sanierungsfahrplan entwickeln, siehe Sanierungsfahrplan fürs Einfamilienhaus.
Wichtig ist die Unabhängigkeit: Eine Beratung, die gleichzeitig ein bestimmtes Produkt verkaufen will, ist keine neutrale Entscheidungsgrundlage. Die Energieberatungen der Länder sind in der Regel herstellerunabhängig.
Wo Sie Energieberatung bekommen
In ganz Österreich bieten die Bundesländer Energieberatungen an, teils kostenlos, teils gegen einen geringen Selbstbehalt. Beispiele sind die Hauskunft in Wien, die Energieberatung Niederösterreich und der Energiesparverband Oberösterreich; auch die anderen Länder haben eigene Stellen. Manche Förderprogramme setzen eine Energieberatung oder einen Energieausweis voraus. Erkundigen Sie sich daher vor der Sanierung bei der Stelle Ihres Bundeslandes. Mehr zum Energieausweis: Energieausweis 2026.
Thermografie: das Haus im Wärmebild
Eine Wärmebildkamera zeigt die Oberflächentemperatur der Fassade. Stellen, an denen viel Wärme austritt, erscheinen heller oder farbig hervorgehoben: Fensteranschlüsse, Rollladenkästen, Deckenauflager, Heizkörpernischen, Ecken. Damit die Aufnahme aussagekräftig ist, braucht es bestimmte Bedingungen:
- einen deutlichen Temperaturunterschied zwischen innen und außen, idealerweise mindestens 15 Grad
- keine direkte Sonneneinstrahlung auf die Fassade in den Stunden davor, daher meist frühmorgens oder abends
- trockenes Wetter ohne starken Wind
- ein gleichmäßig beheiztes Haus
Eine Thermografie ist ein Hilfsmittel, keine endgültige Diagnose. Die Bilder müssen fachkundig interpretiert werden, denn auch Reflexionen oder Materialunterschiede können Farbunterschiede erzeugen.
Blower-Door-Test: wie dicht ist das Haus?
Beim Blower-Door-Test wird mit einem Ventilator in einer Tür ein Unter- oder Überdruck im Haus erzeugt. Gemessen wird, wie viel Luft durch undichte Stellen nachströmt. Mit Nebel oder einem Rauchstift lassen sich die Lecks finden. Der Test ist besonders sinnvoll nach einem Fenstertausch, einer Dachsanierung oder vor dem Einbau einer Lüftungsanlage. Undichtheiten kosten nicht nur Energie, sondern können auch Feuchteschäden in der Konstruktion verursachen.
Rechenbeispiel: Was die Beratung bringen kann
Annahme: Ein Hausbesitzer plant spontan eine Fassadendämmung um 45.000 €. Die Energieberatung zeigt, dass die oberste Geschoßdecke ungedämmt ist und die Fenster undichte Anschlüsse haben.
| Maßnahme | Kosten (Annahme) | Wirkung |
|---|---|---|
| Energieberatung mit Thermografie | 300 € Selbstbehalt | Schwachstellen sichtbar |
| Oberste Geschoßdecke dämmen | 6.000 € | großer Effekt, schnell umgesetzt |
| Fensteranschlüsse abdichten | 1.500 € | weniger Zugluft, weniger Feuchte |
| Fassade später gezielt planen | – | bessere Entscheidungsgrundlage |
Die ersten beiden Maßnahmen kosten zusammen einen Bruchteil der Fassadendämmung und bringen oft einen großen Teil des Effekts. Die Fassade kann später im passenden Zeitpunkt folgen. Alle Werte sind Annahmen; welche Reihenfolge für Ihr Haus passt, zeigt die Beratung.
So bereiten Sie sich vor
- Verbrauchsdaten der letzten drei Jahre (Gas, Öl, Strom, Fernwärme)
- Pläne des Hauses, falls vorhanden
- Energieausweis, falls vorhanden
- Liste bisheriger Sanierungen mit Jahr
- Ihre Pläne: Ausbau, Heizungstausch, Photovoltaik, Budget
- Fotos von Problemstellen wie feuchten Ecken oder Schimmel, siehe Schimmel in der Wohnung
Fragen, die Sie stellen sollten
- Welche drei Maßnahmen haben bei meinem Haus das beste Verhältnis von Kosten und Wirkung?
- In welcher Reihenfolge sollte ich sanieren?
- Passt meine Heizung zum künftigen Bedarf?
- Welche Förderungen kommen in Frage, und was muss ich vor Beginn beantragen?
- Wo sehen Sie Risiken für Feuchte oder Schimmel nach der Sanierung?
- Welche Unterlagen brauche ich für Förderung und Behörde?
Nach der Sanierung: Erfolg prüfen
Eine Energieberatung lohnt sich nicht nur davor, sondern auch danach. Vergleichen Sie im ersten und zweiten Winter nach der Sanierung den Verbrauch mit den Jahren davor. Rechnen Sie dabei die Witterung heraus, denn ein milder Winter senkt den Verbrauch auch ohne Sanierung. Viele Energieversorger und Landesstellen bieten dafür einfache Vergleichswerte an. Weicht der Verbrauch deutlich von der Prognose ab, lohnt sich eine zweite Thermografie oder ein Blower-Door-Test: Oft zeigt sich dann ein undichter Anschluss oder eine falsch eingestellte Heizung. Gerade bei Wärmepumpen bringt eine Optimierung der Heizkurve und der Vorlauftemperatur nach dem ersten Winter häufig spürbare Einsparungen. Bewahren Sie Berichte, Wärmebilder und Messprotokolle gemeinsam mit den Rechnungen auf. Sie sind bei einem späteren Verkauf des Hauses ein überzeugender Nachweis für die Qualität der Sanierung und helfen bei Gewährleistungsfragen, falls doch einmal ein Mangel auftritt.
Checkliste Energieberatung
- [ ] Beratungsstelle des Bundeslandes kontaktiert
- [ ] Unterlagen und Verbrauchsdaten vorbereitet
- [ ] Thermografie im Winter eingeplant
- [ ] Blower-Door-Test bei Bedarf beauftragt
- [ ] Schriftlichen Bericht erhalten
- [ ] Empfehlungen in einen Sanierungsfahrplan übernommen
- [ ] Förderbedingungen geprüft
Häufige Fragen
Ist Energieberatung kostenlos?
In vielen Bundesländern gibt es kostenlose oder geförderte Erstberatungen. Umfangreichere Leistungen wie Thermografie können einen Selbstbehalt kosten.
Wann ist die beste Zeit für eine Thermografie?
In der Heizsaison an kalten, trockenen Tagen, frühmorgens oder abends ohne Sonneneinstrahlung auf die Fassade.
Ersetzt die Energieberatung den Energieausweis?
Nein. Der Energieausweis ist ein normiertes Dokument mit Kennzahlen. Die Beratung gibt konkrete Empfehlungen für Ihr Haus.
Was ist ein Blower-Door-Test?
Ein Messverfahren zur Luftdichtheit eines Gebäudes, bei dem ein Ventilator Druckunterschiede erzeugt und Lecks sichtbar macht.
Brauche ich eine Energieberatung für die Förderung?
Bei manchen Programmen ja. Prüfen Sie die Bedingungen der jeweiligen Förderung vor Beginn der Arbeiten.
Quellen
- Stadt Wien: Hauskunft – https://www.hauskunft-wien.at
- Energieberatung Niederösterreich – https://www.energie-noe.at
- OÖ Energiesparverband – https://www.energiesparverband.at
- Österreichische Energieagentur – https://www.energyagency.at
Stand 11/2026. Allgemeine Information.
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